Review  Red Onion Hot Jazz  feat. Reimer von Essen

Zurück im urigen Saal der Schlössle Brauerei in Offenhausen!

In diesem Zusammenhang möchte ich mich entschuldigen, dass beim letzten Konzert in der Teutonia in der Friedrichsau Gäste im hinteren Bereich des Saales durch übermäßiges Geschirrklappern und private Unterhaltungen des Bedienpersonals gestört wurden. Es kommt nicht wieder vor, wie mir der Wirt versprochen hat.

Übrigens war das ein „gefundenes Fressen“ für einen ausnahmsweise einmal anwesenden Journalisten der SWP, der sich leider in seinem „musikkritischen“ Beitrag vornehmlich an diesem Thema abarbeitete.

 

Uns erwartete an diesem Freitagabend eine freudig „locker vom Hocker“ aufspielende Formation aus dem Großraum Frankfurt-Köln. Sie präsentierte Titel, die selten gespielt werden, aber musikalisch sehr interessant sind. Ohne Schlagzeug, lag die Verantwortung für den Rhythmus bei Cordula Clausen am anfangs zu dezenten Piano, Volkmar Trüb am Rhythmus dominierenden Banjo und Martin Langer vornehmlich am Sousaphon und auch am Kontrabass.

Elmar Feldmann spielte eine fetzige Posaune und harmonierte mit dem Kornett, gespielt von Marc Bothe. Dazu gesellte sich Wolfgang Gundlach an der Klarinette und Saxophon. Die Frontline wurde bei einigen Tunes durch Martin Langer, der als „Universal-Musiker“ neben dem Sousaphon und Kontrabass auch noch Kornett und Flügelhorn spielte, beeindruckend erweitert. Die verbliebene Backline mit Piano und Banjo, meisterte diese Situation routiniert.

Diese wahrlich qualitativ und auch zahlenmäßig schon starke Frontline wurde durch Reimer von Essen an der Klarinette auf manchmal fünf Bläser weiter verstärkt. Fürwahr eine außergewöhnliche Konstellation mit einem Supersound!

Reimer wertete auch als kenntnisreich plaudernder Conférencier und Sänger das Gesamtbild der Formation beeindruckend auf. Er ist eben ein Grandseigneur der klassischen Jazzszene in Europa.

Dazu schreibt mir ein langjähriges Mitglied unseres Vereins:

 „Als spezieller Gast gab der wunderbare Klarinettist Reimer von Essen, Komponist, Arrangeur und Jazzpublizist, Ehrenbürger von New Orleans, bluesnah und ausdrucksstark dem Programm sein besonderes Gepräge. Auch jedes einzelne Mitglied der Band bestach durch Virtuosität und Professionalität, die in perfekter Beherrschung verschiedener Instrumente, Spielfreude und exzellenten Improvisationen ihren Ausdruck fanden.“

 Bei „High Society“ harmonierten Reimer und Wolfgang Gundlach bei gemeinsamer „Reed“- Improvisation, „call and response“ Technik und den „Dirty Tones“. Ein Highlight ihres Spiels war das jeweils solistisch vorgetragene,

weltweit bekannte Klarinettensolo, das an diesem Abend auch nicht fehlen durfte.

Hier eine kurze Aufzählung der sonst selten gehörten Kompositionen:

Melancholy Blues (Bloom, Melrose 1927), Mood Indigo (Ellington 1927),

Hard hearted Hannah (Baker 1924), The Sophomore (Kirk1927), Moonlight Fiesta (Tizol 1932).

Die Red Onion Hot Jazz Band und Reimer von Essen, das passte an diesem Abend perfekt.

HC

Weiterlesen: Red Onion Hot Jazz plus Special Guest